VORSCHRIFTEN

Die Vorschriften, welche die Ehescheidung regeln, haben sich in den letzten Jahren stark geändert, nicht nur wegen der Reform vom Jahr 2000, sondern auch wegen des Inkrafttretens des neuen schweizerischen Verfahrensrechtes im Januar 2011.
Neuigkeiten können wie nachstehend kurz zusammengefaßt werden:

  • Möglichkeit, einen Antrag für Ehescheidung auf Grund gegenseitigen Einverständnisses zu stellen.
  • Jeder Ehepartner kann der Scheidung entgegentreten nur wenn zur Zeit der Prozeßeinführung nicht mehr als zwei Jahre nach der tatsächlichen Trennung vergangen sind.
  • Das Recht, einen Beitrag zum Kindesunterhalt (Alimente) nach der Scheidung zu bekommen, hängt nun rein von objektiven Elementen und nicht mehr auch von der Schuld ab (welche der Richter nun nicht mehr obligatorisch festsetzen muß).
  • Es besteht nun die Möglichkeit für geschiedene Eltern, den Antrag zu stellen, die elterliche Sorge gemeinsam auszuüben, unabhängig von der Tatsachen, ob die Kinder dem einen oder dem anderen Elternteil anvertraut worden sind.
  • Die Regeln bezüglich der Erkennung der gemeinsamen elterlichen Sorge gelten auch für nicht verheiratete Partner.
  • Die geschiedene Frau hat nun ein Jahr nach der Scheidung Zeit, um zu entscheiden, ob ihren Mädchenname wieder aufzunehmen oder den Namen, den sie vor der Ehe trug.
  • Eventuelle Maßnahmen wegen Tod, welche ein Ehepartner zugunsten des anderen getroffen hatte (z.B. Testament, letzter Willen, Erbvertrag, usw.) verwirken ab der Scheidung, außer wenn sie während desselben Verfahrens geschrieben worden sind.
  • Nach der Scheidung kann die Vormundschaftsbehörde (im Tessin die zuständige Regionale Vormundschaftskommission – ab dem 1. Januar 2013, Regionale Schutzbehörde) die Eltern und auch die Kinder auf ihre Pflichten aufmerksam machen und sie unterrichten, falls das Besuchsrecht nicht ausgeübt oder gehindert wird oder falls es für die Kinder schädlich ist.
  • Der Elternteil, welcher das Sorgerecht nicht ausübt, hat trotzdem das Recht, vom anderen Elternteil oder von Dritten über die besonderen Ereignisse im Leben des Kindes zu bekommen und vor dem Treffen von für die Entwicklung des Kindes wichtigen Entscheidungen konsultiert zu werden.
  • Der Elternteil, welcher das Besuchsrecht nicht ausübt kann gezwungen werden, einen höheren Beitrag zum Kindesunterhalt zu zahlen.